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Versicherungsprämien und die Köpfe dahinter

Weltweit zahlen Privatpersonen und Unternehmen regelmässig die vereinbarten Prämienbeiträge an Versicherungsgesellschaften. So wird für den gewünschten Versicherungsschutz bezahlt, die eigenen Risiken abgeschwächt und im Falle eines Schadens erhält man einen Ausgleich. Doch wie werden die Prämien eigentlich festgelegt? Hier kommen Versicherungsmathematiker:innen – auch Aktuare und Aktuarinnen genannt - ins Spiel. Sie berechnen und bewerten Risiken, um daraus die Tarife und Beiträge, also die Versicherungsprämien für Versicherungspolicen, zu kalkulieren.
19.04.2022
Vedran Pranjic

Was genau machen Aktuar:innen? Welche Rolle spielen sie in der Versicherungsbranche, wie werde Versicherungsprämien bestimmt und wie verändert sich der Beruf der Aktuar:innen aufgrund der Digitalisierung?

Was machen Aktuar:innen?

Aktuar:innen sind überwiegend in der Versicherungswirtschaft zu finden, aber auch in Banken, Behörden und Investmentgesellschaften sowie Wirtschaftsprüfungsgesellschaften wird deren mathematisches Wissen benötigt.

In der Versicherungswelt sind sie bei Versicherungs- und Rückversicherungen sowie Pensions- und Krankenkassen zu finden. Dabei schätzen sie mit Hilfe von  mathematischen Modellen Risiken ein und beziffern diese für Personen, Sozial- oder Sachversicherungen mit einem Wert.  Aktuar:innen prognostizieren die zu erbringenden Schandenzahlungen (oder Renten bei Pensionskassen), indem sie ökonomische Zusammenhänge und Statistiken analysieren und mittels Wahrscheinlichkeitstheorie, Finanzmathematik und Simulationen die spezifischen Risiken berechnen und vorhersagen.  Basierend auf diesen Prognosen können anschliessend die Prämie definiert werden. Damit erfüllen Aktuar:innen zwei Rollen: Zum einen sind sie Sicherheitsexpert:innen und zum anderen auch Produktentwickler:innen, denn sie entwickeln die Berechnungs- und Bewertungsmodelle laufend weiter.

In Versicherungsunternehmen werden sogenannte »Verantwortlichen Aktuar:innen« bestellt, die die Daten der Vergangenheit zukunftsbezogen auswerten. Sie bestimmen also die Eintrittswahrscheinlichkeit von Risiken auf Basis von Vergangenheitswerten und schreiben diesen dann einen Wert zu, der als Anhaltspunkt der Versicherungsprämie dient. Dabei fliessen Gesetzgebung, rechtliche und wettbewerbliche Entwicklungen in die Beurteilungen mit ein und geben Hinweise darauf, wie Beiträge, Vertragslaufzeiten und Produkte gestaltet werden sollten, um den Unternehmenserfolg von Versicherungsanbietenden zu sichern.

Eine entscheidende Rolle

Für die Versicherungsbranche sind Aktuar:innen unersetzbar, da sie ungewisse Risikofaktoren identifizier- und monetär quantifizierbar machen.  Basierend auf einem Portfolio von spezifischen Risiken berechnen Aktuar:innen den finanziellen Bedarf des versicherten Kollektivs, damit die Solvenz, Wirtschaftlichkeit und letztendlich den Erfolg von Versicherungsunternehmen langfristig gewährleistet werden kann. Dies stellt wiederum die Grundlage der Tarife dar.

Zu den Hauptaufgaben von Aktuar:innen gehören:

  •  Entwicklung von Modellen zur Prognose, Pricing-Modellen (Beitragsbestimmungen)
  • Erstellen von Aktuars- und Angemessenheitsberichten
  • Identifizierung interner und externer Datenquellen
  • Unterstützen der Unternehmenssteuerung unter Wert- und Risikoaspekten
  • Beratung im Insurance Asset Management
  • Unterstützung des Risikomanagements durch Risikomodellierung
  • Digitalisierung und Verarbeitung von Big Data sowie deren Auswertung

Zufällige Ereignisse – nicht ganz so unberechenbar

Eine Versicherungsprämie ist der Betrag, den Versicherungsnehmer:innen an ein Versicherungsunternehmen zahlen, um im Gegenzug den Versicherungsschutz zu erhalten. Dieser Betrag ist im Versicherungsvertrag festgelegt.

Zur Bestimmung der Versicherungsprämie muss zuerst die sogenannte Risikoprämie ermittelt werden. Hierfür wird berechnet, wie häufig und in welchem Umfang das zu versichernde Ereignis wahrscheinlich eintreten wird. Liegt das Ergebnis vor, muss die Prämie mindestens so hoch sein, dass sie die voraussichtlich zu erwartenden Schadensleistungen für Versicherungsfälle deckt. Das Basisprinzip der Bestimmung der Nettoprämie ist das versicherungstechnische Äquivalenzprinzip, das eine Ausgeglichenheit zwischen den Prämienzahlungen und der erwarteten Versicherungsleistungen bedingt. In der Praxis der Versicherungswirtschaft erfolgt die Kalkulation der Nettoprämie auf Basis einer Tarifierung. Der in der Risikoprämie enthaltene Risikozuschlag wird typischerweise auf Basis eines Masses für das Risiko bestimmt. Hinzu kommen dann der Betriebskostenzuschlag und die Gewinnmarge, welche die Betriebswirtschaftlichkeit von Versicherungsunternehmen sicherstellen. Die letztendliche Prämienkalkulation hat als Ziel, eine vorkalkulierte Kompensation für die Risikoübernahme in Form einer Prämie zu bestimmen.

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