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Versicherung der Zukunft

Die digitale Transformation ist längst in der Versicherungsbranche angekommen. Risiken können bereits heute teilweise online analysiert, Schadensmeldungen via App erfasst und Verträge nach individuellem Bedarf binnen Minuten abgeschlossen werden. Doch wir sind erst am Anfang: Sämtliche Versicherungsanbieter - nicht nur innovative Versicherer! - werden in den nächsten Jahren konsequent solche und weitere datengetriebenen Lösungen und technologischen Innovationen entlang der ganzen Wertschöpfungskette einführen müssen, um der Kundschaft von Morgen gerecht werden zu können. Zudem werden neue Technologien laufend das Schaffen von innovativen Versicherungslösungen für bislang unbekannte Risiken erfordern. Doch wie sieht der Versicherungsschutz der Zukunft aus? Und welche globalen Trends nebst der Digitalisierung führen auch in der Versicherungsbranche zum disruptiven Wandel? Welche Implikationen hat dieser Wandel für Kund:innen, welche für Versicherer?
22.03.2022
Vedran Pranjic

Digitalisierung: Daten sind zentral

Für die Versicherung der Zukunft spielt nicht nur Individualität und Flexibilität eine wesentliche Rolle, der Zugriff auf eine Vielzahl von Daten und der schnelle Austausch mit den Versicherten helfen zusätzlich dabei, Schäden gar nicht erst entstehen zu lassen. Veranschaulichen lässt sich das mit bereits etablierten Systemen von Krankenversicherungen im Privatkundenbereich: Hier werden Versicherungen bereits heute auf Basis des Verhaltens der Versicherten eingestuft. So wird der Tarif für einen sportlichen, gesunden Lebensstil – der zum Beispiel mit einer Smartwatch nachgewiesen werden kann – besser eingestuft als ein vermeintlich ungesunder Lebensstil. Dieses System lässt sich auf andere Bereiche ausweiten, auch in die Welt der Sach- und Haftpflichtversicherungen für KMUs: Zum Beispiel könnte die frühzeitige Erkennung von Wasserlecks über Sensoren in den Lagerhallen zur Verhinderung von grossen Wasserschäden führen. Oder eine zu versichernde Anlage könnte mittels Einsatz von VR-Brillen virtuell besichtigt werden, sodass die Anfahrt erspart bleibt. Oder Push-Nachrichten mit Informationen über Umweltrisiken wie Unwetterwarnungen aber auch ein gehäuftes Aufkommen von Einbrüchen in der Umgebung könnten direkt auf das Smartphone gesendet werden, um entsprechende Vorkehrungen treffen zu können.

Policen werden zum ständigen Begleiter auf dem Smartphone, das heisst, dass Versicherer mit Hilfe von intelligenten Systemen und Daten jederzeit auf Risiken aufmerksam machen können. Zudem werden Daten- und Verhaltensanalysen mit Algorithmen nicht nur individuelle Versicherungspakete möglich machen sondern auch Versicherungsbetrug schneller identifizieren. Diese Daten werden im Privaten sowie Industriellen Bereich gleichermassen erfasst und ausgetauscht über beispielsweise vernetzte Gerät (bspw. Sensor in Raum misst beliebig viele Gegebenheiten wie die  Temperatur oder Feuchtigkeit). Mittels ausgefeilter Analyse können dann Rückschlüsse gezogen und passende Versicherungslösungen gekauft respektive angeboten werden. Diese gewonnenen Erkenntnisse eröffnen insbesondere fürs sogenannte Underwriting und Schadenmanagement neue Möglichkeiten.

Weitere Megatrends

Wenn wir einen Ausblick auf die Versicherungswelt der Zukunft werfen, sind neben den technologischen Fortschritten auch die gesellschaftlichen Entwicklungen nicht ausser Acht zu lassen. In der Schweiz wird beispielsweise der Altersquotient der Gesamtbevölkerung in den nächsten Jahrzehnten stark ansteigen. Damit sinkt die Anzahl der Menschen im erwerbsfähigen Alter – und der Trend zeigt: die zukünftigen Berufstätigen entfernen sich zunehmend vom traditionellen Angestelltenverhältnis. Dies beeinflusst auch die Versicherungslandschaft. Zum einen wird es zunehmend mehr Selbstständige und Freiberufler:innen geben, zum anderen macht sich der demografische Wandel in einer Verschärfung des Fachkräftemangels bemerkbar – auch bei freien Vermittler:innen und freien Berufen. Diese Veränderung hat auch Auswirkungen auf die Vertriebstätigkeit von Versicherungen: Wo heute der Vertrieb noch primär durch festangestellte Kundenberater:innen stattfindet,  wird dieser künftig noch stärker online oder über Freischaffende abgeschlossen. An Bedeutung gewinnen in der Versicherungsbranche in Zukunft ein hochwertiger und digitaler Kundenservice und die digitale Vernetzung mit weiteren Angeboten. Schliesslich ist es nur eine Frage der Zeit, bis die Jugendlichen von heute zu den Kund:innen von morgen werden. Und die sind nun mal «Digital Natives» – digitalisierte Kund:innensysteme sind spätestens dann für alle Versicherungen relevant.

Wer profitiert vom Wandel?

Von passgenauen Lösungen, die durch das kontinuierliche Auswerten von Kundendaten möglich sind, profitieren Kund:innen und Versicherer gleichermassen. Schliesslich sind die Interessen der Klient:innen deckungsgleich mit denen der Versicherer: Beide Seiten wollen den Eintritt eines Schadensfall vermeiden. Je mehr Daten den Versicherungsunternehmen zur Analyse der potentiellen Risiken zur Verfügung stehen, desto genauer ist der Service sowie die Preisbestimmung der Risiken. Dazu relevante Daten umfassen nicht nur Schadensfälle, sondern auch die Risiken beeinflussenden Faktoren aus dem Alltag der Kund:innen wie das Verhalten, die persönlichen Vorlieben und Bedürfnisse. All diese Informationen hilft dem Versicherer besser zu verstehen, was die Kundenzielgruppe braucht, entwickelt entsprechende neue Produkte und verhindert, dass Kunden abwandern.

Und für die Kund:innen? Diese persönlichen Tarife ersetzen zusehends standardisierten Policen – und sind wesentlich individueller, passgenauer und realitätsnah. Zudem können Versicherungen nicht nur individuell, sondern auch schnell  angepasst werden. Diese Kombination aus schnell und individuell wird führt zu einem optimierten Kundenerlebnis für Versicherte. Beispielsweise können massgeschneiderte Versicherungspakete sofort angepasst werden. Vereinfacht gesagt: Versicherer können im Optimalfall künftig Kosten reduzieren und neue Ertragspotenziale erschliessen; Versicherte profitieren von mehr Service und weniger Prämienzahlungen.

Neue Hürden

Die digitale Entwicklung der Versicherung bringt viel Erfreuliches mit sich: Erhöhte Flexibilität, Individualität, Sicherheit und Exaktheit bei der Bestimmung der Risiken. Dennoch muss die Versicherungsbranche auch Hürden frühzeitig erkennen und verstehen, denn Veränderungen bringen neue Herausforderungen mit sich. Eine Herausforderung ist ethischer Herkunft und betrifft den Solidaritätsgedanke: In einer Welt, die von Daten und modernen Technologien geprägt ist, bestehen bessere, prädiktive Möglichkeiten zur Risikobewertung. Das allerdings untergräbt gewissermassen das Solidaritätsprinzip. Es entsteht das sogenannte Solidaritätsparadox: Je mehr wir darüber informiert sind, dass wir andere Menschen mit höheren Risiken „subventionieren“, desto weniger sind wir bereit, mit ihnen solidarisch zu sein. Könnte sich das auf die Bereitschaft der Menschen auswirken, ihre persönlichen Daten zu teilen? Denn die Datenanalysen machen bereits heute deutlich, dass eine direkte Korrelation zwischen der Inanspruchnahme von Versicherungsleistungen und dem individuellem Verhalten besteht. Diese Erkenntnis in Kombination mit den digitalen Möglichkeiten der Risikobestimmung führt zu der Gefahr, dass einige Versicherungsgesellschaften zukünftig nicht mehr bereit sein werden, sogenannte «Hochrisiko-Gruppen» zu versichern – es sei denn, es gibt gesetzliche Vorschriften. Daher erfordern die verfeinerte Risikoeinschätzung sowie genauere Prognosen Diskussionen über die gesellschaftlichen Idee von Gleichbehandlung und Fairness im Bereich der Versicherungsbranche. 

Nicht Technologie, sondern Kundschaft im Fokus!

Die derzeitigen Versicherungen beruhen auf Erfahrungswerten und Wahrscheinlichkeitsberechnungen – also auf vergangenen Ereignissen und daraus abgeleiteten Prognosen. Doch genau diese Grundlage der heutigen Versicherungsbranche steht vor tiefgreifenden Umbrüchen. Und die Veränderung passiert so schnell, dass Versicherungsunternehmen nur eines bleibt: Innovativ werden, um nicht den Anschluss zu verlieren. Doch was bedeutet innovativ in diesem Kontext? Die Versicherung von morgen ist mobil, flexibel, datengetrieben und das allerwichtigste: charakterisiert von einem starken Kundenfokus.

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