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Die Versicherung der Versicherung

Rückversicherer kommen immer dann zum Einsatz, wenn Risiken die Möglichkeiten einer einzelnen Erstversicherung übersteigen. Ihr Spezialgebiet ist das Absichern von besonders grossen Risiken. Beispielsweise die immer öfters eintretenden Schäden verursacht durch Naturkatastrophen wie Erdbeben, Zyklonen oder Taifune.
30.03.2022
Felix Huemer

Laut Gabler Wirtschaftslexikon sind Rückversicherungen Verträge, die ein Erstversicherungsunternehmen (Zedent) mit einem anderen Rückversicherungsunternehmen (Zessionär) schliesst. Die Erstversicherer tun dies, um Risiken zu mitigieren, die Zeichnungskapazität zu erhöhen oder die Kapitalanforderungen zu vermindern. Rückversicherer versichern also einzelne spezifische Risiken oder ganze Versicherungsportfolios und garantieren dadurch die Zahlungsfähigkeit der Erstversicherer selbst bei Grossschadensereignissen.

Doch wie funktioniert der Rückversicherungsmarkt? Welcher Nutzen entsteht für Versicherungsunternehmen? Wie heissen die bekanntesten Rückversicherer und mit welchen aktuellen Thematiken müssen sich diese auseinandersetzen?

Schlüsselwort Diversifikation

Die Risikoüberwälzung auf respektive die Risikofinanzierung durch Rückversicherer ist eine klassische Form der Risikoverteilung. Das Risiko der Erstversicherer wird verringern, indem sie einen Teil der Schadenlast übernehmen und so zur Stabilisierung beitragen. Damit die Rückversicherer in der Lage sind, sehr hohe Schadensbeträge abzufedern, sind sie sehr breit diversifiziert und agieren meist global. Zudem sichern sich Rückversicherer häufig auch untereinander ab – was zu einer erneuten Senkung des Risikos führt. Die Rückversicherer investieren hohe Summen an Aktien- und Kapitalmärkten.

Du fragst dich, weshalb Pandemien wie etwa Covid-19 nicht rückversichert werden? Ein Ereignis, das zeitgleich weltumspannend stattfindet, kann nicht diversifiziert werden. Zudem sind Schadenshöhen schwierig schätzbar, weil politische Entscheide die Rahmenbedingungen kurzfristig verändern.

Für Erstversicherungsunternehmen gibt es unterschiedliche Vertragsmöglichkeiten, um sich abzusichern. Die zwei Gängigsten sind hier kurz erklärt: Im Schadensfall bezahlt der Rückversicherer einen, im Voraus festgelegten Anteil der Gesamtschadenssumme an den Versicherer – dies ist die sogenannte Quotenrückversicherung. Die zweite Möglichkeit ist, dass der Versicherer im Schadensfall eine maximale Summe an Selbstbehalt selbst bezahlt. Der Rückversicherer übernimmt die Differenz zwischen der tatsächlicher Schadensumme und dem Selbstbehalt des Erstversicherer. Dies ist die sogenannte Exzedentenrückversicherung.

Und dank dieser Form der Umverteilung von Risiken und Aufteilung von finanziellen Mitteln, kann das Versicherungssystem, das die «normalen» Endverbraucher:innen von Versicherungen kennen, überhaupt erst funktionieren. Denn trotz dessen, dass Rückversicherungen nur selten direkt mit den Endversicherten operieren, sind diese im Hintergrund omnipräsent. Sei es die Sach-, Lebens- oder Krankenversicherung. Nebst Bereitstellung finanzieller Mittel stehen Rückversicherer auch anderen Unternehmen und Staaten beratend zur Seite und unterstützen sie dabei, Risiken frühzeitig zu antizipieren und mit entsprechenden Strategien zu steuern.

Zuerst in Deutschland

Menschen haben sich schon seit Jahrtausenden versichert, doch wann entstand der Gedanke, dass eine Erstversicherung nicht ausreicht? Der Ursprung der Rückversichern liegt im Aufkommen grosser Katastrophen. So etwa die Zerstörung von ganzen Städten durch Feuer im 19. Jahrhundert, als klar wurde, dass eine grössere Absicherung notwendig ist, um wirklich alle Schadensfälle abdecken zu können. Bekannt ist, dass der Grossbrand von Hamburg im Jahr 1842 ein Auslöser für die Gründung der Rückversicherung «Kölnischen Rück» war. Die Kölnische Rück, heute Gen Re, ist die älteste Rückversicherung der Welt. Auch die Swiss Re wurde im Jahr 1863 gegründet, nachdem in Glarus zwei Jahre vorher ein Grossbrand gewütet hatte. Heute hat die Swiss Re Gruppe ihren Hauptsitz in Zürich und ist über ein Netzwerk von rund 80 Geschäftsstellen weltweit tätig. Zu den weltweit grössten Rückversicherern zählen nebst der Swiss Re auch die Munich Re und Hannover Rück. Auf Platz vier und landen SCOR S.E (Frankreich) und Berkshire Hathaway (USA).

Kernthermen der Rückversicherungen

Kernthemen von Rückversicherern sind nebst Naturkatastrophen und Klimawandel auch die alternde Bevölkerung sowie die Cyber-Kriminalität. Generell lässt sich sagen, dass die zu versichernde Risiken immer komplexer und vielfältiger werden. Gefahren, die zum Beispiel im Zusammenhang mit Big Data oder künstlicher Intelligenz entstehen, sind schwieriger zu quantifizieren als ein Feuer oder ein Sturm.  Zudem werden sämtliche Arbeitsprozesse immer mehr datengesteuert und automatisiert. Die Rückversicherungsindustrie befindet sich im stetigen Wandel und müssen neuartige, zukünftigen Risiken (sog. «Emerging Risks») erkennen und monetär bewerten. 

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