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Interview in der Handelszeitung: «In Sachen Digitalisierung ist die Assekuranz Brachland»

Der Markt der Assekuradeure ist in den vergangenen Jahren so ziemlich ins Kraut geschossen. Warum braucht es da noch Helvengo?

Benedikt Andreas: Weil wir KMU-Versicherungen von Unternehmern für Unternehmer bieten und damit selbst wissen, was Endkunden und Broker benötigen. Die aktuelle Lage hat kleine Unternehmen viel härter getroffen als grössere, etablierte Firmen. Als Unternehmer, die sich für andere Unternehmer einsetzen, entwickeln wir massgeschneiderte Versicherungen, um die individuellen Geschäftsanforderungen zu unterstützen. So gesehen helfen wir Unternehmen, den Sturm nicht nur zu überstehen, sondern danach wieder zu wachsen.
 
Ist es also Kalkül, dass Sie mit Helvengo mitten in diesem Pandemie-Sturm auf den Markt kommen?

Vedran Pranjic: Jein – die Idee entstand im Februar 2020, also kurz bevor Corona Europa erreicht hat. Natürlich haben wir im vergangenen Sommer aufgrund der aktuellen Lage kurz gezögert. Ziemlich schnell haben wir aber realisiert, dass wir kein Problem damit haben, mit unserem Unternehmen remote zu starten, da wir alle schon viel Erfahrung damit haben. Was für etablierte Versicherer eine grosse Umstellung war, war für uns von Beginn an Normalität.

«Für sehr grosse Startups derzeit einfacher, 300 Millionen aufzutreiben anstelle von 300’000 Franken für einen Neueinsteiger.»

Virtuelles Arbeiten bereitet Ihnen keine Probleme, aber wie verlief die Suche nach Investoren und Partnern?

Felix Huemer: Zu Beginn war es nicht einfach, da einerseits viele Investoren aufgrund der Pandemie erst mal in Wartestellung gegangen sind. Andererseits ist es für sehr grosse Startups derzeit einfacher, 300 Millionen aufzutreiben anstelle von 300’000 Franken für einen Neueinsteiger. Da wir dies bereits bei unserem ehemaligen Arbeitgeber Wefox erlebt hatten, raubte es uns nicht allzu viel Energie. Am Ende waren wir sogar stark überzeichnet und konnten uns die Investoren aussuchen.

Worauf haben Sie dabei geschaut?

Benedikt Andreas: Zentral war für uns, dass die Investoren Erfahrung haben in der Assekuranz und über ein gutes Netzwerk verfügen. Mit Cornelius Boersch konnten wir zudem einen Investor an Bord holen, den wir bereits von Wefox kennen.
 
Apropos Wefox – wie hat Ihr ehemaliger Arbeitgeber auf Ihre Kündigung und die Neugründung reagiert?

Felix Huemer: Freundschaftlich! Uns ist es aber ganz wichtig zu betonen, dass wir eigenständig operieren. Wefox hat die Privatkunden im Fokus und wir die KMU-Kunden. Wir werden uns bestimmt nicht in die Quere kommen, denn die Insurtech-Spielwiese ist riesig. In Sachen Digitalisierung ist die Assekuranz nach wie vor Brachland, auf dem sich in den kommenden Jahren noch viel entwickeln wird.
 
Auf der Helvengo-Website steht «Wir möchten den KMU-Versicherungsmarkt verbessern und denken Dinge neu». Können Sie dies etwas konkretisieren?

Vedran Pranjic: Wir bieten KMU transparente, einfache und bedürfnisgerechte Bausteine, um die individuellen Risiken abzusichern. Unser Prozess ist von A bis Z digital, die Prämien sind transparent und die Produkte leicht verständlich.
Benedikt Andreas: Der Markt für KMU-Versicherungen basiert heute noch immer auf dem One-size-fits-all-Gedanken. Wir bieten eine Produktmodularisierung, die nicht nur bedarfsgerecht ist, sondern sich auch in Echtzeit an die wechselnden Bedürfnisse anpassen lässt.

«Unsere Kunden erhalten nicht nur die Bausteine, sondern mit der detaillierten und geführten Risikoanalyse auch gleich noch die Bauanleitung dazu.»

Also eine Art Lego-Bausatz für Versicherungen?

Vedran Pranjic: So in etwa – allerdings erhalten unsere Kunden nicht nur die Bausteine, sondern mit der detaillierten und geführten Risikoanalyse auch gleich noch die Bauanleitung dazu.
 
Aktuell versichern Sie Dienstleister, Berater, Medien, Telekommunikation und IT. Ist das ein bewusster Entscheid oder ein zufälliges Portfolio?

Benedikt Andreas: Wir haben den Anspruch, unseren Kunden die bestmöglichen Produkte zum bestmöglichen Preis und damit den besten Versicherungsnutzen zu bieten. Daher beginnen wir mit Branchen, die wir gut kennen. Die Modularität gilt eben nicht nur für unsere Kunden, sondern auch für uns. Wir möchten segmentweise wachsen. Für den Anfang fokussieren wir uns auf Dienstleister, weil sich deren Geschäftsmodelle relativ einfach digital abbilden lassen. Bei der produzierenden Industrie ist das etwas schwieriger, hier ist meistens auch ein Besuch vor Ort zwingend, um die Risiken und das Geschäft zu verstehen.

«Wir sehen uns nicht als Substitution, sondern integrieren den traditionellen Vertrieb in unser Geschäftsmodell.»

Das tönt jetzt gerade so, als ob Sie in Zukunft den Vertriebskanal Broker gar nicht mehr brauchen …?

Vedran Pranjic: Im Gegenteil! Wir sehen uns nicht als Substitution, sondern integrieren den traditionellen Vertrieb in unser Geschäftsmodell, um die Expertise und langjährige Erfahrung des klassischen Maklers mit den modernen Möglichkeiten digitaler Technologien zu verbinden. Davon profitieren auch unsere Vertriebspartner.
 
Wie wählen Sie diese aus?

Vedran Pranjic: Wir fokussieren einerseits auf Privatkundenberater, da diese den persönlichen Kontakt zu ihren Kunden pflegen und viele darunter sind, die auch Kleinunternehmer sind. Andererseits natürlich auch die KMU-Broker, denen wir mit unseren modularen Produkten und digitalen Werkzeugen helfen, passgenauer und effizienter zu beraten, besonders bei kleinen Kunden, bei denen der Aufwand oftmals nicht proportional zum Ertrag steht. 
 
Und wie profitieren die Broker von Helvengo?

Felix Huemer: Indem sie viel schneller zum Abschluss kommen. Das KMU-Geschäft ist zeitintensiv, oft sind die Broker mehrere Tage beschäftigt, um einen Kunden zu versichern. Mit unserer Lösung verkürzen wir den Prozess für die abgedeckten Branchen auf wenige Minuten. Vergütet wird pro Versicherungsabschluss, wofür der Broker eine marktübliche Courtage erhält.
 
Auf Versicherungsseite arbeiten Sie aktuell mit Markel zusammen. Wie wählen Sie Ihre Risikoträger aus?

Benedikt Andreas: Mit Markel haben wir einen international tätigen Spezialversicherer als Partner. Um unser Produktportfolio auszuweiten und noch mehr Segmente und Deckungen anbieten zu können, sind wir mit weiteren Gesellschaften und Rückversicherern im Gespräch. Die Auswahl erfolgt hier durch marktnahes Feedback unserer angebundenen Broker, die uns ganz klar aufzeigen, welchen Bedarf an neuen Versicherungsprodukten gewisse Branchen haben.

«Wir glauben, dass Kunden in der nahen Zukunft viel mehr in Themengebieten als in Branchen-Silos denken.»

Wo steht Helvengo in 18 Monaten?

Felix Huemer: Wir glauben, dass Kunden in der nahen Zukunft viel mehr in Themengebieten als in Branchen-Silos denken. Deswegen setzen wir heute und in der Zukunft auf Partnerschaften mit Ökosystemen, welche diese Themengebiete erfolgreich bedienen. Versicherungslösungen müssen in erster Linie lösungsorientiert gestaltet sein, um das Thema Risikoexposition für Unternehmer möglichst bedarfsgerecht und effizient aus der Welt zu schaffen. Unsere modulare Produktstrategie, künstliche Intelligenz und unser API-basiertes Backend werden uns helfen, dies bald schon für digitale Ökosysteme und Broker zu ermöglichen. Erste Partnerschaften, zum Beispiel mit einem Zahlungsdienstleister, sind bereits aufgegleist. Ziel ist es, gemeinsam neue, komplementäre Serviceangebote zu kreieren, die sich nahtlos in bestehende Customer Journeys integrieren lassen.
Benedikt Andreas: Aufgrund unseres Netzwerks werden wir in den kommenden Monaten auch nach Deutschland und Österreich expandieren. Wir sehen aber für alle europäischen Märkte ein grosses Potenzial im Segment KMU und Selbstständige, denn aktuell bieten nur wenige grosse Versicherer ihre Policen komplett digital an.
 
Zum Schluss noch etwas ganz anderes: Wie sind Sie eigentlich auf den Namen Helvengo gekommen?

Vedran Pranjic: Der Name ist zu Beginn des vergangenen Jahres innerhalb weniger Minuten entstanden und war eigentlich nur als Projektname gedacht. Felix war damals in Japan und während eines Telefonats haben wir ein kurzes Brainstorming gemacht. Entstanden ist dabei ein helvetisch-japanischer Wortmix. Engo heisst auf japanisch Schutz und Unterstützung. Irgendwie ist Helvengo dann an uns hängengeblieben …

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